Freitag, 16. April 2010
Chemnitz
Chemnitzer Wetter
Regentropfen zerschmettern am Fensterglas
Nebel maskiert die Szene wie Toni Banderas
Straßenleuchten brechen Leblosigkeit zu dieser Zeit
dann wenn in den Bäumen Stille die ewig scheint
So oft ich mir sag, dass diese Stadt nix zu bieten hat
lieb ich sie und bleib auch ohne attraktive Liegenschaft
Nur entschädigt durch den Blick von der Schere
und weiß das ganze nun viel besser zu schätzen je älter ich werde
außerhalb des Arbeiterverkehrs geht nichts
vielleicht ist es auch die zeitweise Ruhe die uns Phlatline Kids denken lässt
ich sei die Fibel
der Schmelztigel in dem wir uns sammeln wie Lichtwellen im Parabolspiegel
Rekonstruierte Altbauten neben Plattenbauten
Bizarrer Kontrast zwischen ZoniBau und Opernplatz
Oder was zeichnet hier den Reiz aus
Der erste Kuss im Beton
Die erste Ziese am Heizhaus
Vielleicht auch vor Winters Eisgarten auf Eis warten
wird wie vieles von ner Kleinigkeit zum Highlight wie Urlaubsfahrten
An allen Ecken Konsumtempel aus Wellblech
Schachbrettartig dunkle wie helle Flecken und Stellflächen
Riesen Uni doch kein Studentenflair
Und nix so multikulti wie n Dorf mit Stadtverkehr

Der erste Sonnenstrahl durchdringt den Dunst der Stadt
begleite meinen Vater
suche nach dem Grund was mich in deren Schoß gehalten hat
Schlender entlang dem Kaßberg um Emotionen zu fangen und Ausreden zu finden für wie man hier eigentlich noch leben kann
Vielleicht weil die Schönheit dieser Stadt verborgen liegt
der schweifende Blick auf deren Dächer über Sorgen siegt
wenn weiße Wolken der Sonne folgen
und grünes Laub den Straßenstaub verdeckt
scheint die Atmosphäre wohlvertraut
Aufm Schloßteich rote und grüne Ruderboote
prächtige Farben an Menschen zeigen Sommermode
Man kann hier wunderbar chillen
mit Freunden abends grillen
Mit gutem Willen lange Partys machen ohne Pillen
Strom gezapft vom Laternenmast der Nachbarschaft
hab damals noch gedacht, damit riskiert man Untersuchungshaft
Heut hört man lachen aus Cafén und Badeseen
wenn die Chemnitzer in Shoppingalleen vorm Laden stehn
dann scheints als ob der Marxkopf ne Sonnenbrille braucht
beim verdeckten Beschaun von Ärschen und jedes freien Bauchs
Mach mir was vor, ich will hier raus doch komm nicht weg, weil jeder Fleck den ich kenn und meine Familie mich nicht lässt
Auch wenn der Anblick deiner Menschen nicht grad glänzt
Bin ich froh wenn du mich jeden Tag mit offenen Armen empfängst
ich komm nicht klar
bin zum Glück nicht so oft da
vielleicht ist das ja auch der Grund warum ich dich im Herzen mag.

(Tefla&Jaleel)

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